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Freitag, 12. Januar, Alter: 3 Jahre « Zurück zu: Einzelansicht

Von: Anja Zeutschel

Axel Springer AG wirft bildblog.de Verstöße gegen Pressekodex vor

BILD vs. BILDblog

Die Axel Springer AG fordert den Deutschen Presserat auf, eine Beschwerde gegen das Unternehmen nicht zu behandeln. BILDblog.de hatte wegen einer nicht gekennzeichneten Anzeige im August 2006 in der Bild eine Rüge beim Presserat beantragt.

BILD und BILDblog liefern sich einen Schlagabtausch (Quelle: jugendfotos.de, Jakob Schmidt)

BILDblog.de hatte am 5. Januar ein Schreiben des Deutschen Presserates veröffentlicht, in welchem diese Forderung thematisiert wurde. Der Presserat lehnte das Ansinnen von Springer jedoch ab und sprach gegenüber dem Unternehmen eine Missbilligung aus.

Aus der Rechtsabteilung der Axel Springer AG hieß es, die Schreiber von BILDblog.de verfolgten kommerzielle Zwecke und manipulierten mit ihrer „Flut“ von  Beschwerden journalistische Berichterstattung. Außerdem wurde beklagt, dass die Journalisten des Webblogs gegen den Pressekodex verstoßen. Der Presserat sollte wegen „offensichtlichem Missbrauch“ die Beschwerde fallen lassen.

Der Beschwerdeausschuss beschäftigte sich Anfang Dezember mit dem Fall. Er sprach BILDblog.de nicht ab, „– neben gewerblichen und eigennützigen – auch presseethische Zwecke“ zu verfolgen. Beschweren könne sich aber „Jedermann“ ungeachtet „mitverfolgte[r] Zwecke oder Motive“.

„Flut von Beschwerden“ löst Stirnrunzeln aus

Bei BILDblog.de und auf dem privaten Blog von Stefan Niggemeier, einem der Betreiber von BILDblog.de, ließ man sich über diese Angelegenheit aus. Solch eine Aktion „ist für uns nichts neues“, steht dort geschrieben. Was jedoch bei den Bloggern für Stirnrunzeln sorgte, war die Erwähnung der „Flut von Beschwerden“, die von ihnen beim Presserat eingegangen sein sollen. Stefan Niggemeier äußerte sich auf seinem Blog kritisch: „Die Mär von der „Flut” [...] wird übrigens nicht nur von der Axel Springer AG, sondern auch vom Presserat selbst verbreitet.“ Er erklärte, es wären lediglich acht in den zweieinhalb Jahren gewesen. Die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit vom Deutschen Presserat, Ella Wassink, teilte medien-mittweida.de mit, dass bei ihr niemand von einer Überflutung sprechen würde. „Ich weiß nicht, von wem die Äußerungen stammen sollen.“

Bildblog.de erzeugt selbst interessante Stoffe für Berichte

Die Aktivitäten von BILDblog.de erinnerten laut Nicolaus Fest, dem Verantwortlichen für Sonderaufgaben in der BILD-Chefredaktion, „an den Witz vom Taschendieb auf dem Rummelplatz, der seine Opfer mit den Worten lockt: ‚Hier werden sie Zeuge einer Straftat!’“ Er wirft den Bloggern vor, selbst Nachrichten zu produzieren, anstatt – journalistisch korrekt – ausschließlich zu berichten. Indem sie selbst Beschwerde beim Presserat gegen die BILD einlegten, um anschließend darüber zu schreiben, könne man BILDblog.de „kaum als journalistische Tätigkeit auffassen“. Fest erläutert seine Aussage an einem Beispiel. Ein Journalist müsste nur jeden Tag Strafanzeige gegen eine wichtige Persönlichkeit erstatten, die Staatsanwaltschaft würde ein Verfahren einleiten und die Zeitung hätte ihre Schlagzeile. „Die [...] würde lauten: ‚Staatsanwaltschaft ermittelt gegen XY’ - und sie wäre völlig korrekt.“ Mit Journalismus hätte das laut Nicolaus Fest allerdings nichts zu tun. In diesem Zusammenhang kritisiert er die Kommerzialität von BILDblog.de. Es akquiriere Anzeigen. Um diese zu verkaufen, sei eine „ausreichende Leserschaft“ notwendig. „Um diese Leserschaft zu generieren, benötigt BILDBlog interessante Stoffe - die es nun eben [...] selbst erzeugt.“

Kommerzialität aber trotzdem journalistisches Angebot

Stefan Niggemeier von BILDblog.de negiert die Kommerzialität nicht. Das Blog sei ein journalistisches Angebot, was sich durch Werbung finanziere.  Somit sei „der ‚Vorwurf’ vollumfänglich zutreffend“. Sie würden sich aber von anderen Medien unterscheiden, da sich ihre Einnahmen in Grenzen halten „und“, so Niggemeier, „von Medien wie ‚BILD’ natürlich dadurch, dass wir z.B. nicht die Verletzung von Persönlichkeitsrechten kommerziell betreiben, sondern die Aufklärung darüber“.

Neben der Anzeigenakquise wurde 2004 die B-blog GbR gegründet, welche dem Zweck dient, BILDblog.de zu betreiben. Auf deren Konto kann man auch unterstützend Spenden überweisen. Diese werden genutzt, um Server und Miete zu bezahlen, sowie die Arbeitszeit der Mitarbeiter zu finanzieren.

BILDblogger sind Lügner

Bildbeauftragter für Sonderaufgaben, Nicolaus Fest, bezichtigte die BILDblogger zudem der Lüge. Er äußerte gegenüber medien-mittweida.de: „Meine persönliche Erfahrung aus einer Begegnung mit dem – durchaus sympathischen – Herrn Schultheis ist, dass kein einziges der mir unterstellten wörtlichen Zitate stimmte.“

Presserat für BILDblog.de nicht zuständig

Der Vorwurf der Axel Springer AG an BILDblog.de, sie würden gegen den Pressekodex verstoßen, wurde vom Presserat in ihrem Beschluss gar nicht erst behandelt. Auf Anfrage von medien-mittweida.de erklärte man sich für „nicht verantwortlich“ für BILDblog.de. Da es kein Printmedium sei, könne man laut Ella Wassink „keine Einschätzung geben, ob BILDblog.de gegen den Kodex [verstoße]“. Außerdem sagte die Öffentlichkeitsarbeits-Referentin: „Es ist unerheblich, ob wir sie als Journalisten ansehen oder nicht, da BILDblog.de für uns bislang als Beschwerdeführer aufgetreten ist.“

Meinungsverschiedenheit in der Axel Springer AG

Nicolaus Fest hat allerdings eine klare Meinung zu dieser Frage. Solange sie für etablierte Medien schreiben und deren Maßstäbe achten, erkennt er sie als Journalisten an. „Aber was die Herren Niggemeier, Schultheis [auch Betreiber von BILDblog.de, Anm. d. Verf.] etc. in ihrer Freizeit für ihre digitale Speakers Corner verfassen, ist nicht notwendig Journalismus.“ Scheinbar besteht hier innerhalb der Axel Springer AG eine Meinungsverschiedenheit. Niggemeier verwies auf einen Auszug aus der Kolumne von "Bild am Sonntag"-Chefredakteur Claus Strunz: "Wir verfolgen dies [die Arbeit von BILDblog, Anm. d. Verf.] wohlwollend, weil wir uns als Kontrolleure der Mächtigen verstehen und es zu unserem Demkoratieverständnis dazugehört, dass auch der Kontrolleur kontrolliert wird." Scheinbar wird diese Kontrolle jedoch trotzdem nicht positiv aufgenommen. Schließlich beantragte man die Zurückweisung der Beschwerde von BILDblog.de, anstatt sich mit dem Schleichwerbevorwurf auseinanderzusetzen.