| Der Drang zum technischen Fortschritt
oder was man dafür hält, hat mitunter eigenartige Schöpfungen
hervorgbracht. Die Entwicklung einer Sache verläuft nicht immer gradlinig
und so sind Irrtümer bzw. Irrwege in einer Entwicklungskette nur zu
verständlich. Manchmal werden aber auch zu Lebzeiten Entwicklungen von
Erfindern für Irrwege gehalten, die sich im nachhinein als sehr
tragfähig erweisen. Beispiel dafür ist die Entwicklung des Laufrades
durch Freiherr von Dreis, der verlacht und verarmt starb. Ähnlich erging
es dem Schneider von Ulm mit seiner Flugmaschine.
Bleiben wir aber bei den Landfahrzeugen. sie waren für die
Entwicklung der Wirtschaft durch einen florierenden Waren- und
Personenverkehr von außerordentlicher Bedeutung. Solange sich der
Warenverkehr auf einige ausgewählte Dinge wie exotische Gewürze
oder das notwendige Salz, das man nicht überall gewinnen konnte sowie
Schmuckgegenstände beschränkte, war der Transport mit
Pferdefuhrwerken ausreichend. Mit der Erhöhung der Produktivität
der Fertigung entstand auch die Notwendigkeit eines verstärkten
Warenaustausches, da nicht alle produzierten Waren an Ort und Stelle verbraucht
werden konnten. Andererseits konnten dringend benötigte Waren nicht
an jedem Ort gefertigt werden. Man suchte nach anderen Möglichkeiten
des Warentransportes als durch Pferdefuhrwerke. Und eben diese Suche hat
eben eigenartige Blüten getrieben.
Wagen waren schon in Vorzeiten bekannt, so im alten Ägypten,
in Griechenland und Rom. Meist waren sie aber Kriegsgerät oder
Kultgegenstand. Zu einem Wagen in unserem Sinne gehörte auch eine gut
ausgebaute Straße. Die Römer hatten es verstanden, in ihrer
Blütezeit, ihr Reich und die von ihnen eroberten Gebiete mit einem Netz
gut ausgebauter Straßen zu überziehen.
Es hatte früh Anstrengungen gegeben, Gefährte durch Muskelkraft
zu bewegen. Das mußte jedoch scheitern, weil die Reibung an Lagern
und Straße viel zu groß waren, es gab ja noch lange weder
Luftbereifung, Kugellager noch Asphaltstraßen. Interessant sind diese
Versuche allemal, weil sie die Grenzen des Machbaren zeigte. Eine der
muskelbewegten Konstruktionen ist die des gelähmten Uhrmachers Stephan
Farfler, der sein Gefährt mit einem Kurbelantrieb versehen hatte
(siehe rechts nebenstehend). Überliefert ist auch die Konstruktion eines
Reisewagens um 1750 von John Vever, der durch einen
Bedienstesten, der hinten auf dem Wagen stehend das Fahrzeug durch Muskelkraft
angetrieben hatte. Dami knüpfte er an eine ähnliche Konstruktion
an, die es bereits 100 Jahre vorher von Johann Hautzsch gegeben
hatte.
Das erste Fahrzeug, das nicht durch Muskelkraft bewegt wurde, ist
um 1600 von dem Holländer Simon Stevin gebaut worden.
Es war ein durch Segel getriebenes Landfahrzeug. Mit 28 Personen besetzt
legte es eine Strecke von 68 km in zwei Stunden zurück. Aber es war
eigentlich kein echtes Kraftfahrzeug, weil diese ihre Antriebsenergie
mitführen. Beim Windfahrzeug kam der Antrieb durch äußere
Naturkräfte.
Isaak Newton hatte den Gedanken eines durch
Dampf-Rückstoß getriebenen Fahrzeuges.geäußert. Es
ist nie ausgeführt worden. Das erste Fahrzeug mit Dampfantrieb (siehe
rechts nebenstehend) geht auf den französischen Artellerieoffizier
Josef Cugnot zurück. Er selbst ist um 1770 mit einem
Dampffahrzeug durch Paris gefahren. Die Förderung durch den Kriegsminister
machte es möglich, daß das Fahrzeug verbessert gebaut und eingesetzt
wurde.
Eine weitere Konstruktion war die von Read und
Symington. Es war in Prinzip eine Kutsche, deren hinteres Ende
aus einer Dampfmaschine bestand. Es gab eine ganze Reihe solcher
Dampfwagen-Konstruktionen. James Watt selbst hat sich
zunächst um keine Dampfwagen- Konstruktion gekümmert. Beim Bau
seiner Dampfmaschinen hat er Pumpenantriebe für Bergwerke im Auge gehabt.
Er hat sich allerdings in seinem Patent für die Dampfmaschine die Anwendung
als Antriebsmaschine für Dampfwagen eintragen lassen.
Einen großen Verdienst bei der Entwicklung von Dampfwagen hatte
der |
|
englische Ingenieur William Murdock, der die bis dahin
übliche Dampf-Spannung erhöhte und damit die Leistung, den
Wirkungsgrad und die Betriebszeit wesentlich erhöhte. Sein Wagemut bei
der Erhöhung des Dampfdruckes wurde von Richard Trevithick
(siehe Abb. unten) weiter verfolgt.
Dampfomnibusse fuhren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
vornehmlich in England und Frankreich und sie wurden langsam aber sicher
von der aufkommenden Eisenbahn abgelöst. Als Landfahrzeug hat es sich
allerdings auf Dauer nicht durchsetzen können. Die Eisenbahn ist aber
als direkte Weiterentwicklung der Dampfwagen anzusehen, für die gesonderte
Trassen mit guten Betriebsbedingungen geschaffen wurden. Es entstand eine
zeitliche Lücke zwischen dem Auslaufen des Dampfwagens und der
Einführung des Kraftwagens. Diese Zeit mußte durch die wieder
hervorgeholte Kutsche überbrückt werden. Schuld daran waren eine
Reihe bedauerlicher Unfälle. Hatte man bis zu diesem Zeitpunkt einen
regelmäßigen Vorortverkehr mit London mit einer für damalige
Verhältnisse beachtlichen Geschwindigket von ca. 16 Stundenkilometern
einrichten können, so bestand nach den Unfällen ab 1836 die Vorschrift,
daß den Dampfwagen eine Person mit einer roten Fahne vorauszugehen
habe. Das war das Aus für die Dampfkraftwagen. Es hatte aber auch
die logische "bahn"brechende Weiterentwicklung zur Folge: die der
Eisenbahn
Abb.: Muskelbetriebenes Fahrzeug von Farfler um
1680
Abb.:Der Dampfwagen nach
Cugnot
Abb.: Der Dampfwagen nach Trevithick
1802
Das folgende Bild zeigt einen Dampfomnibus,
wie er ab 1814 zwischen London und den Vororten verkehrte
next
Quelle: Das Weltreich der Technik,
Ullsteinverlag, Berlin, 1923 |